Projekt in Äthiopien

Foto © Plan International

Äthiopien: Mädchen vor sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt schützen

Projektlaufzeit: 5 Jahre
Geplantes Budget: 3.000.000 Euro
Projektregion: Assosa

Hintergrund
In Äthiopien herrscht Geschlechterungleichheit. Anhaltende patriarchalische Normen, mangelnde Bildung und traditionelle Praktiken benachteiligen Mädchen und Frauen auf sozialer, politischer und individueller Ebene.1 Dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf Kinder- und Frauenrechte: 81 Prozent aller äthiopischen Frauen und Kinder haben in ihrem Leben Gewalt erfahren.2 Aus Angst vor Stigmatisierung werden diese Fälle oftmals nicht angezeigt.

Die Projektregion Assosa ist eine der am wenigsten entwickelten Regionen des Landes. Fälle von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt sind hier besonders hoch. Die äthiopische Regierung hat zusammen mit UNICEF daher ein sogenanntes „One-stop Centre“ errichtet. Dieses Servicezentrum bietet Betroffenen von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt eine umfassende Unterstützung, die medizinische und psychosoziale Unterstützung, Rechtsberatung sowie andere Dienstleistungen umfasst. Bei 79 % der in den vergangenen sechs Monaten erfassten Fälle in diesem Zentrum handelte es sich um Vergewaltigungen – 60% der Überlebenden sind unter 18 Jahren alt.
Außerdem gibt es ein Schutzhaus in Assosa, in dem junge Frauen, die Gewalt erfahren haben, Schutz und Unterkunft finden. Ein Mangel an Personal sowie Ausstattung macht eine adäquate Versorgung der Betroffenen jedoch unmöglich. Zudem liegen sowohl das Schutzhaus als auch das One-Stop Centre in der stätischen Umgebung, wodurch sie für Frauen und Mädchen aus der ländlichen Umgebung nur äußerst schwer zu erreichen sind.

Generell sind geschlechtsspezifische Gewalt und Praktiken wie Kinderheirat eng mit ökonomischer Chancenungleichheit verbunden: Viele Mädchen und Frauen haben dadurch keinen Zugang zu höherer Bildung und wenig Perspektiven, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen.

Ziel des Projektes
Mit diesem Projekt möchten wir einen Beitrag zur Schaffung eines Umfelds leisten, in dem Mädchen und junge Frauen frei von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt und schädlichen traditionellen Praktiken sind.
Unser ganzheitlicher Ansatz basiert auf der Annahme, dass eine effektive Arbeit gegen geschlechtsspezifische Gewalt nicht ohne ein gesteigertes Bewusstsein in den Gemeinden möglich ist. Wir arbeiten daher mit einer breiten Zielgruppe, die Mädchen, Frauen, Jungen und Männer umfasst. Es werden Dialoge und Trainings mit traditionellen und religiösen Autoritäten, Gemeinde-Kommittees und Vertretenden von Rechts- und Gesundheitsdiensten durchgeführt. Die relevanten Akteure sollen besser vernetzt und ausgestattet sein, um von Gewalt Betroffenen schnell und effektiv helfen zu können.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Projektes ist die Unterstützung und der Schutz für die überlebenden Opfer von Gewalt. Verschiedene Trainings sollen ihr Selbstbewusstsein stärken und ihnen berufliche Perspektiven aufzeigen, mit denen sie zukünftig ein eigenes Einkommen generieren können. Auch an Schulen, an denen es häufig zu Gewaltfällen kommt, möchten wir den Schutz für Mädchen und junge Frauen verbessern – durch Ausbau der Infrastruktur, Bewusstseinsschaffung sowie die Einrichtung entsprechener Systeme für den Kinderschutz.

Geplante Aktivitäten

Stärkung des Bewusstseins für sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt
Durch Gemeindedialoge, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen sowie regelmäßige Austauschforen soll eine breite Öffentlichkeit in der Projektregion erreicht werden, um ein Bewusstsein für die Folgen von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt zu schaffen. Dafür werden beispielsweise auch Anlässe wie der Internationale Frauentag oder der Welt-Mädchentag genutz oder Sportveranstaltungen organisiert.
Vertretende von Gemeinde-Kommittees, z.B. zum Kinderschutz sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter erhalten gezielte Trainings, in denen sie im Umgang mit Betroffenen von sexueller Gewalt geschult werden. Außerdem wird ein Verweis-Mechanismus etabliert, damit betroffene Mädchen und Frauen schnelle und gezielte Hilfe und Unterstützung erhalten.

Unterstützung und wirtschaftliche Stärkung von Mädchen und jungen Frauen
Mädchen und junge Frauen erhalten in Schulungen zu sogenennaten „Life skills“ die Chance ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Unter anderem wird hierbei auch das Thema Menstruationshygiene behandelt und die eigene Herstellung von widerverwendbaren Damenbinden gezeigt.
Berufliche Schulungen, sowie Trainings zu unternehmerischen Kompetenzen zeigen den jungen Frauen Perspektiven auf, ein eigenes Einkommen zu generieren. Sie werden durch Materialien oder ein Startkapital auch auf dem Weg in ein eigenes Kleinstunternehmen unterstützt.

Schutz von Mädchen und jungen Frauen
Die bisherigen Schutzeinrichtungen in der Projektregion sind unzureichend, um Mädchen und junge Frauen adäquat zu schützen. Wir arbeiten daher eng mit den zuständigen Regierungseinheiten zusammen, um diese Situation zu verbessern.

Dafür wird eine komplett neues Schutzhaus gebaut und ausgestattet. Sanitärein-richtungen und eine Wasserversorgung sichern die Hygienesituation und eine Umzäunung gewährleistet den Schutz der Mädchen und Frauen. Andere in der Region existierende Einrichtungen, wie das bereits bestehende Schutzhaus oder Gesund-heitseinrichtungen, werden mit Materialien, sowie wenn nötig Renovierungsarbeiten unterstützt.

Sichere Schulumgebung
Um Gewaltfälle an Schulen zu reduzieren, werden gezielte Trainings mit Schülerinnen und Schülern, Lehrenden und weiterem Schupersonal durchgeführt. Es werden Schulclubs gegründet, die zum Austausch der Schülerinnen und Schüler untereinander dienen. Die Club-Mitglieder führen auch Veranstaltungen an den Schulen oder in den Gemeinden durch, um das Bewusstsein zu Geschlechterungerechtigkeit zu stärken. Ein schulbasiertes Verweissystem wird die effektive Berichterstattung von Gewaltfällen und somit schnelle Hilfestellung ermöglichen.
Um auch das Lernumfeld für Mädchen entsprechend zu verbessern, werden neue nach geschlechtern getrennte Latrinen und Hygieneanlagen errichtet und mit Materialien ausgestattet. So wird ermöglicht, dass sich die Mädchen auch bei ihrer Monatshygiene an den Schulen schicher fühlen und ihren Schulbesuch nicht unterbrechen müssen.